Die Rolling Stones im Gleisbau
27. Aug. 2018 13:03

Die Rolling Stones im Gleisbau

Praxistext bestanden? Mehr als das! Nach drei Jahren im Einsatz ist das von der BGM aus Meißenheim erdachte System für rollierende Materiallogistik auf Bahnbaustellen nicht mehr wegzudenken.

Kann man 180 Jahre nach der Jungfernfahrt der Adler zwischen Nürnberg und Fürth noch etwas grundlegend Neues im Eisenbahnbereich erfinden? Aber ja! Und zwar im doppelten Wortsinne. Denn das von der Badischen Gleisbaumaschinen GmbH (BGM) erdachte Rollierende Baukastensystem und der Materialtransportwagen E-MT 100 markieren einen Meilenstein in der Logistik von Gleisbaustellen.

Mit den seit 2015 vielerorts eingesetzten Fahrzeugen lassen sich neue und alte Materialien gleichzeitig bewegen und verarbeiten. Das Aufnehmen alten Schotters und der sofortige Einbau neuer Materialien: machbar! Parallel lassen sich die Baustoffe zwischenlagern und im Winterbetrieb durch die integrierte und patentierte Fahrzeugheizung auftauen. Es gibt optionale Dachmodule mit reversiblen Förderbändern – außerdem sind die neuen Materialtransportwagen mit verschiedenen am Markt bereits etablierten Fahrzeugen kompatibel.

Zur Innotrans 2018 wird ein weiteres neues Arbeitsmodul vorgestellt: eine Schnittstelle zu den am Markt üblichen Materialtransportwagen. Es handelt sich hierbei um ein mitgeführtes Zusatzband (ASB-10), das die Übergabe von EMT-Wagen auf Standardmaterialtransportwagen im Bereich der Dachförderbänder ermöglicht. Dieses Band wird dauerhaft im Sandwichboden der EMT-Wagen mitgeführt und kann bei Bedarf mit einfachen Hebemitteln entladen und aufgesetzt werden.

„Wir haben seit dem Frühjahr 2018 die Komplettlösung von BGM im Einsatz“, sagt Ralf Zürcher, geschäftsführender Gesellschafter der Zürcher Bau. „Und wir sind mehr als zufrieden: Teilweise wird nur noch die Hälfte der ansonsten erforderlichen Technik vor Ort auf den Baustellen benötigt. Für uns ist das ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil, den wir zur Kosteneinsparung unserer Auftraggeber eingepreist haben.“ „Unsere inzwischen patentierten Neuerungen optimieren den Materialfluss und steigern die Arbeitsleistung– zugleich erlauben der modulare Aufbau und das durchgängige Bedienkonzept einen schlanken und flexiblen Fuhrpark“, sagt Dipl-Ing. Axel Vonhoff, der das Projekt im badischen Meißenheim einst ins Rollen gebracht hat und bis heute leitet.

Die Vorteile des rollierenden Baukastensystems aus Süddeutschland sind schnell erklärt und nachvollziehbar: Der Maschinenaufwand im Gleisbau ist üblicherweise hoch. Selbst bei kleineren Maßnahmen wird in der Regel mit mindestens zwei Zugverbänden gearbeitet. Es braucht außerdem Lagerplätze und Umfahrungsgleise.

Das Rollierende System sortiert die Arbeitsabläufe neu: Die Möglichkeit, Neuschotter und Aushub gegenläufig zu fördern, erlaubt den innovativen Maschinen, drei Arbeitsgänge mit nur einer Anfahrt und ohne Ausweichgleise auszuführen. Ein zweiter oder dritter Zugverband (beispielsweise fürs Einschottern) wird überflüssig, die Standzeiten sinken, die Baukosten ebenfalls.

Der Kernbaustein des Konzepts für die Schütt-gut-Logistik ist der Materialtransportwagen E-MT 100 mit seinen schwenk- und einziehbaren Übergabeförderbändern, der bis zu drei Materialien gleichzeitig in beliebige Richtungen transportieren kann. Ein umfangreiches Sortiment an nachrüstbaren Optionen passt das Basismodul den unterschiedlichen Aufgaben an.

(Der Be- und Entladewagen BE 8-16 ermöglicht in Verbindung mit den E-MT 100 eine rollierende Arbeitsweise und damit das gleichzeitige Handling von Neuschotter und gebrauchtem Material.)

Die erste Erweiterung des Baukastens stellt der Be- und Entladewagen BE 8-16 dar. Er erlaubt das Be- und Entladen der E-MT 100-Wagen und als Zusatzfunktion auch das gesteuerte Einschottern eines Gleisrostes aus dem gleichen Zugverband heraus. Den nächsten Baustein des Systems stellt das Reinigungsmodul RA 20 zum Anschärfen und Absieben des Schotters dar.

„Wir haben uns von vornherein dafür ent- schieden, die Wagen konstruktiv von Grund auf neu zu entwickeln und modular zu gestalten“, sagt Vonhoff. „Der modulare Aufbau ermöglicht es, die Wagen als Standardwagen zu beschaffen und sie nach und nach den Bedürfnissen des Betreibers oder auch laufen- den Neuentwicklungen anzupassen.“ Vorteile bietet die neue Technik auch in Sachen Umweltschutz: Die Wagen verfügen über einen dieselelektrischen Antrieb, der pro Arbeitsstunde den Kraftstoffbedarf um 30 % senkt. Alternativ können die Wagen bei zentraler Stromeinspeisung auch rein elektrisch betrieben werden – das bietet vor allem in Tunnelbaustellen erhebliche Vorteile, aber auch bei Baustellen mit besonderer Emissionsüberwachung, wie zum Beispiel in städtischen Räumen.


(Blick auf einen Fahrzeugverbund von BGM mit zwei Materialtransportwagen E-MT 100 (rechts) und dem Be- und Entladewagen BE 8-16)

Quelle: Zeitschrift, Der Eisenbahn-Ingenieur

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